Legende

Pfarrer Matthias Claessen schrieb um 1720 die Legende der Hl. Plektrudis in das Lagerbuch der Pfarre zu Keyenberg.
Danach begab sich die Witwe Pippins II. von Herstal, Plektrudis, 714 nach Köln. Hier gründete sie ein freiweltliches Stift, Maria im Kapitol, dem sie unter anderem Keyenborgh schenkte, wo sie angeblich noch zu Lebzeiten ihres Mannes eine Kirche erbauen hatte lassen, der sie eine Reliquie des Heiligen Kreuzes geschenkt habe. 716 soll diese Kirche zur Pfarrkirche erhöht worden sein.
Leider lässt sich diese Geschichte historisch nicht nachvollziehen, da zum Zeitpunkt der Prümer Grundherrschaft das Stift Maria im Kapitol noch keine Besitztümer in dieser Gegend besaß.
Was veranlasste den Pfarrer zu einer solchen Geschichtsfälschung?
Es ging wie so oft um Einfluss und Macht. Der Pastor und das Stift Maria im Kapitol lagen im Streit mit den Einwohnern von Borschemich um das Kollations- und Investiturrecht. In diesem Streit kam diese Geschichte angesichts fehlender Urkunden gerade recht.
Gründung
Im Jahr nach dem letzten Normannen-Überfall 893 verfasste ein Mönch das Güterverzeichnis der Abtei Prüm. Darin wird auch der Gutsbezirk Keyenberg erwähnt.
Das Jahr der ersten schriftlichen Erwähnung wird auch als Gründungsjahr des Ortes bezeichnet, obwohl die Ansiedlung sehr viel früher existiert hat, wie die Funde aus römischer Zeit beweisen.
Er bestand aus 10 Hofstellen grundherrlich abhängiger Bauern. Sie dienten dem Herrenhaus Keyenberg, einer Wasserburg, die höchstwahrscheinlich schon an der Stelle des heutigen Haus Keyenberg stand.
Es gab 93 Joch Herrenland, Wiesen für 10 Heuwagen und Gemeindewald für 1000 Schweine. 93 Joch bebaubares Land dürften etwa 357 Morgen gewesen sein.
Römerzeit

Schon zur Römerzeit lebten Menschen in Keyenberg und Umgebung. Südwestlich von Haus Keyenberg stecken Fundamente einer „villa rustica“ im Boden. Auf dem Südhang der Köhm, einem kleinen Bach hinter Haus Keyenberg, kamen vor Jahrzehnten römische Urnengräber zu Tage.
Bis zum 2. Weltkrieg wurden im Turm der Keyenberger Kirche römische Funde aufbewahrt: Ziegel, ein Säulenstumpf, ein Weihestein mit Inschrift und Glas- und Tongefäße.
Auch ein Altarstein aus dem 2. bis 3. Jahrhundert blieb fragmentarisch erhalten. Dort wird ein Mann namens Trofimus benannt, der mithin ältester bezeugter Keyenberger Bürger ist.
Namensgebung
Eindeutig lässt sich die Namensgebung nicht erklären. Es gibt 2 Theorien:
Woher der erste Teil des Namens, „Keyen“, stammt, ist nicht ganz geklärt. Ursprünglich hieß der Ort „cheyenburhc“, er wurde ab 1168 als „Kyenburch“ bezeichnet. Ab 1381 setzt sich der Name „Keyenberch“ durch, auf den der heutige Name zurückgeht.
Für den Namen „keyen-“ gibt es zwei Erklärungen:
Der Verfasser der Plektrudisdichtung deutet den Begriff als „Stein“ (germanisch Kagi und Kaje)
Wahrscheinlich ist aber die Ableitung vom römischen Namen „Gaio“. Im 8. und 9. Jh. ist der Name als „Keio“ oder „Keyo“ mehrfach bekundet.
Wichtige Geschichtsdaten
Seit dem 14. Jahrhundert gehörte Keyenberg zum Herzogtum Jülich. Von 1398 bis 1554 bildete der Dingstuhl Keyenberg mit Berverath und Westrich ein eigenes Gericht, dann wurde es dem Gericht Wanlo zugeschlagen. Wanlo wiederum lag im Jülichen Amt Kaster.
Im Achtzigjährigen Krieg hatte das Dorf in den Jahren 1585 und 1586 unter dem Einfall spanischer Truppen zu leiden. Im März des Jahres 1642 zerstörten hessische Truppen im Dreißigjährigen Krieg mehrere Häuser, darunter den Rittersitz Patteren.
Unter der französischen Herrschaft von 1794 bis 1814 gehörte Keyenberg zur Mairie Kuckum im Kanton Erkelenz.
1815 gelangte Keyenberg zu Preußen. Die ehemalige Mairie Kuckum wurde zur Bürgermeisterei Keyenberg im Landkreis Erkelenz, aber ohne den Ort Kuckum, das zur Bürgermeisterei Wanlo kam. Die neue Bürgermeisterei Keyenberg bestand aus den Orten Berverath, Borschemich, Kaulhausen, Keyenberg, Venrath und Westrich.
1848 wurde die Bürgermeisterei in die drei Spezialgemeinden Keyenberg, Borschemich und Venrath aufgeteilt. Zu Keyenberg gehörten Berverath und Westrich, zu Venrath Kaulhausen. Die Bürgermeisterei blieb aber weiterhin bestehen.
Am 27. Februar 1945 nahmen während der Operation Grenade amerikanische Soldaten des 175. Regiments der 29. US-Infanterie Division das Dorf ein.
1938 wurden die Bürgermeistereien Keyenberg und Immerath zum neuen Amt Holzweiler zusammengelegt. Am 1. Januar 1972 wurde das Amt im Rahmen der kommunalen Neugliederung aufgelöst und seine Gemeinden Teil der Stadt Erkelenz .
Im Jahre 1993 feierte die Bevölkerung Keyenbergs das elfhundertjährige Bestehen des Ortes mit einem großen Fest in der Turnhalle und einem historischen Umzug.1








Umsiedlung
Seit Dezember 2016 besitzt der Ort den Umsiedlerstatus. Das heißt, dass der Ort dem nahenden Braunkohleabbau Garzweiler II weichen muss. Die Dörfer Keyenberg, Westrich, Berverath und Kuckum werden gemeinsam umgesiedelt. Das neue Wohngebiet liegt zwischen Rath-Anhoven und Borschemich (neu) an der B 57. Die bergbauliche Inanspruchnahme sollte im Zeitraum von 2023 bis 2038 erfolgen.
Im Jahre 2022 entschied die Bundesregierung das Auslaufen des Braunkohleabbaus im Jahre 2030. Die Landesregierung NRW beschloss 2023, dass der Tagebau Garzweiler II verkleinert werde. Die bereits nahezu vollständig umgesiedelten Dorfer Keyenberg, Kuckum, Berverath und Unter- und Oberwestrich sollten erhalten bleiben.
Im Jahre 2024 setzten verstärkte Bemühungen seitens der Stadt Erkelenz ein, die bereits geräumten Dörfer wieder zu revitalisieren.
